0,00015 %
0,00015 Prozent der Deutschen haben sich letztendlich an der bisher größten deutschen Demonstration gegen den Völkermord in Darfur beteiligt. Dieses Anderthalbfache eines Millionstels ist beschämend und erfreulich zugleich:
Beschämend, weil 99,99985 Prozent der Deutschen einem Völkermord mehr oder minder gleichgültig gegenüberstehen. Gleichgültig genug, um nicht einmal zwei Stunden bei herrlichem Wetter gegen das systematische Abschlachten von Schwarzafrikanern zu demonstrieren. Gleichgültig genug, um zu sich selbst „Ja, ja, so ein Völkermord ist schon schlimm, aber unter uns: Was geht’s uns Deutsche an?” zu sagen. Besonders beschämend – Hannes Stein hat in seiner Rede auf diesen Punkt hingewiesen – ist, dass sich auch die Intellektuellen dieses Landes diese bequeme Gleichgültigkeit zu Eigen gemacht haben. Ich zumindest habe keinen der fast schon berufsmäßigen Bedenkenträgern erblickt. Schon gar nicht von der 68′er Generation, die sich selber so ungeheuer selbstgerecht über die unpolitische Jugend beklagt. Von organisierten Frauenrechtlerinnen war ebenfalls nichts zu sehen – die systematischen Vergewaltigungen im Nordosten Afrikas sind in diesen Kreisen anscheinend keiner Demonstration wert. Vertreter der christlichen Kirchen waren auch nicht anwesend; die muslimischen Organisationen hielten es auch nicht für notwendig, gegen die Ermordung von hunderttausenden von ihren Glaubensbrüdern zu demonstrieren. Gleichgültigkeit, wohin man auch blickt.
Erfreulich ist hingegen, dass die 120 Teilnehmer der Demonstration gezeigt haben, dass es auch in Deutschland Menschen gibt, die sich nicht mit einem Völkermord arrangieren wollen. Teilnehmer, die einen Völkermord als das ansehen, was er völkerrechtlich ist: Als ein Verbrechen gegen die Menschheit. Teilnehmer, die sich mit den hohlen Phrasen und dem Bedauern der Politiker in diesem Land, in Europa und der Welt nicht mehr zufrieden geben wollen – und sie stattdessen an ihre völkerrechtlichen Pflichten zur Verhinderung und Bestrafung des Völkermordes erinnert haben.
Bei diesen Teilnehmern aus allen Bevölkerungskreisen wollen wir uns bedanken. Es waren zwar nur 120, aber immerhin haben diese 120 ein Zeichen gegen den Völkermord gesetzt. Insbesondere bei den angeblich so „unpolitischen” Schülern des „Save Sudan Projekts”, die sich im Gegensatz zu älteren Generationen – die zum Teil in ihrer Jugend einem Massenmörder wie Mao hinterherliefen - nicht mit einem Völkermord abfinden wollen. Bedanken wollen wir uns natürlich auch bei den Rednern: Ulrich Delius, Manal Seifeldin, Hannes Stein und Micha Brumlik, die ihren Beitrag als so selbstverständlich angesehen haben, dass sie uns nicht einmal nach der Erstattung ihrer Fahrtkosten gefragt haben – vom gesparten Geld wird’s bei der nächsten Darfur-Demonstration dann eine vernünftige Mikrofonanlage geben.
Ja, wir sind so pessimistisch, dass wir von einem weiteren Global Day for Darfur ausgehen. Alle positiven Signale aus dem Sudan haben sich bisher als voreilig erwiesen. Deshalb werden wir auch wieder in Berlin auf die Straße gehen – dann aber mit hoffentlich mehr Teilnehmern. Über weitere Helfer würden wir uns sehr freuen, ihr könnt uns unter info@darfurgruppe-berlin.org per Mail erreichen.
To be continued.
Am 30. April 2007 um 20:13 Uhr
sei nicht zu hart. viele wussten doch auch gar nichts von der demo. aber abgesehen davon ist es natürlich um so schlimmer davon zu wissen und es einfach zu ignorieren. von den ignoranten großstadtbürgern am rande unser demo mal ganz abgesehen!
Am 30. April 2007 um 20:40 Uhr
Es ist leider so wie fast immer, nach Afrika wird der Müll von Europa geschickt, von alten Autos über Dumping-Milchpulver(was die dortigen Milchbauern kaputt macht) bis hin zu Waffen.Vor den Küsten Afrikas werden die Fischgründe von europäischen, hochmodernen Schiffen leer gefischt, und das alles mit EU-Subventionen.
Da wundert es mich nicht, wenn die “Gutmenschen” aus dem Parlament sich nicht blicken lassen;einige solln ja durch den “Brückentag” im Urlaub sein.Also, ich fühle mich nicht gerade gut vertreten durch unsere Volksvertreter.Vielleicht ist Volksvertreter auch ein falsches Wort, eigentlich sollten sie Volksvertraute heißen…nur mit dem Vertrauen bei Volksvertretern ist das leider immer sone Sache…
Am 1. Mai 2007 um 11:58 Uhr
Als Mitglied von Amnesty International liegt mir die internationale Solidarität mit den Menschen in Darfur am Herzen. Die “Demonstration” war ein einziger trauriger Witz - und die Nichtexistenz einer “Darfur-Solidarität” in Deutschland hat unter anderem folgenden Grund: Den Initiatoren (der Darfur-Gruppe Berlin) nimmt man ihr humanitäres Engagement nicht ab - sind es doch dieselben Leute, die in anderen Zusammenhängen intensiv damit beschäftigt sind, die israelische Regierung von allen Vorwürfen menschenrechtswidriger Praxis gegenüber den arabischen Palästinensern freizusprechen. Für Hannes Stein - den Redner auf der Kundgebung, der sich in seinem Leben noch nie mit den Problemen Afrikas beschäftigt hat, war es nix anderes als ein billiger Distinktionsgewinn, wenn er -fast erleichtert- darauf hinweisen konnte, dass die ARABER die wahren Meister der Massenmords sind. Fazit: Mit der Darfur-Solidarität wird’s nix werden, solange man dort nur Spezies von ‘I like Israel’ trifft, die sich hier aus ganz anderen Gründen engagieren - dem geschundenen Volk von Darfur sind sie jedenfalls nur aus taktischen Gründen verbunden.
R.V.
Am 1. Mai 2007 um 13:24 Uhr
Ein Plädoyer für das Ende des Völkermordes ist tausendmal mehr wert als leere Kommentare von Leuten, die aus der Ferne passiv zugucken, unter dem (feigen) Vorwand der Neutralität…
Am 1. Mai 2007 um 15:02 Uhr
zu ruud volkers bezugnehmend: es geht darum einen völkermord zu verhindern! ich denke, es ist an dieser stelle gänzlich fehl am platze, aufgrund von unterschiedlichen politischen meinungen diese demonstration (!) zu boykottieren. ich muss zugeben, dass ich mir nicht darüber im klaren bin, womit sich die mitglieder der darfurgruppe berlin in der vergangenheit beschäftigt gaben, aber darum geht es ja auch gar nicht. außerdem waren mitglieder der gesellschaft für bedrohte völker auch anwesend und ich fände es ungeheuerlich, ihr engagement gegen diesen genozid anzuzweifeln! ich finde die haltung von amnesty zutiefst bedauerlich und ich kann nicht verstehen warum ihr nicht zusammen mit uns 100 leuten den globe day for darfur begangen habt!
Am 1. Mai 2007 um 15:03 Uhr
@ Ruud Volkers:
In der Tat braucht die islamische Welt den israelisch-palästinensischen Konflikt, um vom Morden in islamischen Ländern (nicht nur Sudan) abzulenken. Hier die Konflikte, die in der Tagesschau, bei Ostermärschen und bei AI nur am Rande vorkommen:
100.000 in Somalia seit 1977
100.000 in Algeriens Bürgerkrieg in den 90ern
120.000 in Jemens Bürgerkrieg in den 60ern
130.000 in Libanons Bürgerkrieg
200.000 in Iraks Kurdengebieten in den 80ern und 90ern
300.000 in Iraks Shiiten-Aufstand in 1991/1992
400.000 in Indonesien in 1965/1966
1.000.000 in Bangladeshs Unabhängigkeitskrieg von Pakistan in 1971
1.000.000 in Afghanistan nach Abzug der Roten Armee und vor der US Invasion
2.500.000 im Sudan seit 1955
http://www.nrg.co.il/online/1/ART1/483/521.html
Wo bleiben all die Pazifisten und Menschenrechtler, wenn weder Israel noch USA involviert sind in einen Konflikt?
Am 2. Mai 2007 um 07:42 Uhr
Also so neu ist die Geschichte mit Darfur ja nicht. Und passiert ist in der Zwischenzeit auch einiges. Da hat man Kofi Annan in Oslo und Berlin und sonstwo mit Friedenspreisen und Olaf-Palme Preisen aller Art überschüttet, während seine Untersuchungskommission im Sudan artig feststellte, es gebe keinen Völkermord in Darfur, was vom dortigen Regime auch dankbar zur Kenntnis genommen wurde.
Wo waren die Demonstranten und Amnesty International, die gegen solche Heuchler und Blender demonstriert haben?
Also bitte jetzt keine künstliche Empörung gegen 99,99985 Prozent aller Deutschen!
http://www.gfbv.it/2c-stampa/2005/050202bde.html
Am 2. Mai 2007 um 10:18 Uhr
zu Ruud Volkers:
Ein Amnesty-Mitglied spricht nicht für Amnesty, irgendein nick noch weniger. Zur Demo kamen ca. 120 Menschen - ein Anfang, aber es könnten mehr werden. Dass wir nicht gerade ein Verkehrschaos verursacht haben, wäre allerdings für jemanden, dem “die internationale Solidarität” mit den Menschen in Darfur “am Herzen” liegt, nicht “witzig”, sondern bedauerlich.
> Für Hannes Stein - den Redner auf der Kundgebung, der sich in
> seinem Leben noch nie mit den Problemen Afrikas beschäftigt hat
Unsinn, das hat er schon vor Jahren getan, allerdings nicht in der jungen
FreiheitWelt…> wenn er -fast erleichtert- darauf hinweisen konnte, dass die
> ARABER die wahren Meister der Massenmords sind
Schlichtweg erlogen. Er wies allerdings auf die geringe Teilnahme von Linken und Muslimen an dieser Debatte hin. Erstere hätten sich ansonsten stets mit unterdrückten Völkern solidarisch erklärt, letztere sollte Darfur alarmieren, da Täter und Opfer Muslime seien - damit machte Stein sich keine Freunde. Außerdem schreibt und schrieb er nicht nur für Spiegel, Weltwoche, Berliner Zeitung und lettre international, sondern auch für FAZ und Welt: unverzeihlich - und tatsächlich: das Neue Deutschland fehlt in der Sammlung.
> Fazit: Mit der Darfur-Solidarität wird’s nix werden, solange
> man dort nur Spezies von ‘I like Israel’ trifft, die sich hier
> aus ganz anderen Gründen engagieren
Bemüht jemand die jüdische Weltverschwörung, wird’s tatsächlich schwer. Außer Stein sprach auch Micha Brumlik, der wiederum publiziert vorwiegend in der taz - allerdings kann das Verschwörungstheoretiker wohl nicht schrecken. Dazu ist er tatsächlich Jude, das macht die Sache nicht besser. Ob Ulrich Delius von der GfbV und Manal Seifeldin vom Berliner Landesbeirat für Integrations-und Migrationsfragen auch zum geheimen Zirkel gehören, kann man unter diesen Umständen nicht mit Sicherheit ausschließen.
> dem geschundenen Volk von Darfur […] aus taktischen Gründen
> *nicht* verbunden
…ist m.E. Herr Volkers. Wenn er sich mal mit ihm genehmen Teilnehmern und Initiatoren für Darfuris einsetzt, sage er bitte bescheid.
Am 2. Mai 2007 um 16:22 Uhr
In Korea, Zypern, der Türkei und Angola hat man Berlin jetzt auch auf der Liste. Nur Erwähnungen, keine Exklusivberichte, aber nächstes mal strengen wir uns mehr an. Die Arab News hat auch was mitbekommen, meint allerdings, die westlichen Protestierer hätten nur ihr Gewissen beruhigt - immerhin sieht man ebenfalls Handlungsbedarf.
Al-Jazeera vermerkt in Berlin 200 Leute -sehr schön-, und veröffentlicht übrigens eine etwas autoritativere Stellungsnahme von AI:
Al-Jazeera sah keine Notwendigkeit, die Machenschaften der jüdische Lobby als Hintergrund zu vermuten, wäre also schön, wenn hierzulande niemand päpstlicher als der Papst sein wollte - but to a man with a hammer, everything looks like a nail. Ruut V. sollte sich vielleicht einen neuen Werkzeugkasten anschaffen.
Am 28. Mai 2007 um 18:20 Uhr
99,99985 Prozent der Deutschen haben also nicht mitdemonstriert und stehen somit einem Völkermord gleichgültig gegenüber. In der Tat, das ist eine Ungeheuerlichkeit. Wo doch die Veranstalter seit Jahren für diesen Tag in beiden Öffentlich-Rechtlichen und allen überregionalen Zeitungen getrommelt und sich auch sonst die PR-Hacken abgelaufen haben.
Mann oh Mann, bin ich geneigt zu sagen, wo leben Sie denn, Herr Blanken? Haben Sie nicht selbst den Eindruck, dass Sie sich ein ganz klein wenig für zu wichtig halten? Sie sich, nicht das Thema, damit da keine Missverständnisse aufkommen. Allerdings gibt es da noch ein kitzekleines Problem. So eindeutig, wie Sie die Lage in Dafur sehen, ist Sie wohl nicht. Vielleicht schauen Sie mal gelegentlich auf diese Seite:http://www.steinbergrecherche.com/sudan.htm
Nachdenkenswert ist ebenfalls die Ausdehnung des Konflikts auf den Tschad. Was könnte wohl dahinter stehen? “Rebuildng America’s Defenses” und Brzezinskis Interview aus dem Nouvel Observateur vom 15. Januar 1998 zu Afghanistan sowie sein Buch “The Grand Chessboard” sind hilfreich, wenn man ensthaft einer solchen Frage nachgehen will. Schon einmal nach dem 2. Weltkrieg wurde eine ganze Nation an der “Nase der humanitären Intervention” (Fischer 1995 im Bundestag) von eben jenem in den Krieg gegen Jugoslawien geführt. Immerhin bewertete das “Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr” die Lage im Kosovo zwei Tage vor Kriegsbeginn, am 22. März 1999 so: “Es sind auch weiterhin keine Tendenzen zu ethnischen Säuberungen im Kosovo festzustellen”. Was bekanntlich den heutigen Präsidenten eines Dopingverbandes und damaligen Verteidigungsminister dazu zwang, einen “Hufeisenplan” fälschen zu lassen. Vorsicht also mit absoluten Gewissheiten.
Schließlich noch ein Hinweis: Ich möchte von Unbekannten nicht geduzt werden
Am 28. Mai 2007 um 19:04 Uhr
Sehr geehrter Herr Scholz,
allerdings “halte ich mich ein wenig für zu wichtig”.
Ich halte mich sogar für so wichtig, dass ich es nicht nötig habe, inhaltlich auf Menschen einzugehen, die als Argument “Steinbergrecherche” anführen, eine Webseite, auf der man ausschließlich Verschwörungstheorien findet, die am Ende - da ist man meist wenig kreativ - immer bei den Israelis landen.
Und jetzt können sie weiter zetern.
Am 29. Mai 2007 um 06:50 Uhr
Bei steinbergrecherche.com informiere ich mich ebenso wenig wie bei G. Menuhin, Kolumnist der National-Zeitung, der uns dort im Einklang mit Herrn Steinberg vor unserer “US-hörigen Regierung” oder dem “Zionismus” warnt. Ansonsten gibt Steinberg den Islamisten vom Muslim Markt Interviews, ebenso wie sein think-alike Menuhin - weswegen der Muslim-Markt beide auch gern zitiert (1,2).
Dass unsere Freunde von der national-marxistisch-islamischen Querfront immer jemanden finden, der auch ihre Meinung teilt und sich als Alibi-Jude präsentieren lässt, macht die Sache nicht besser. Ihren, wertgeschätzter Herr Scholz, und deren in raunenden Suggestivfragen vorgebrachten Verschwörungstheorien werde ich deshalb nicht nachgehen, mit einer Ausnahme:
“99,99985 Prozent der Deutschen” waren nicht dabei, richtig. Ungefähr ebenso viele sind beim Thema Ruanda, Tibet, Kongo, Nordkorea oder Kambodscha zuhause geblieben - oder bleiben es. Ihrer Suggestion zufolge denken sie sich dabei etwas Kluges, anti-Imperialistisches - ich vermute eher Lethargie.
Am 29. Mai 2007 um 11:27 Uhr
Weiterzetern?
Das lohnt nicht, Herr Blanken. Ihre Replik zeigt mir, dass mein gestriger Beitrag Zeitverschwendung war.
Am 7. Juni 2007 um 17:23 Uhr
[…] von RettetDarfur.de kann man hier lesen. Die Rechenkünste der enttäuschten Veranstalter kann manhier […]