Shooting Dogs und die Grüne Jugend

Ab dem 17.Mai läuft in Deutschland Shooting Dogs in den Kinos an.

Shooting Dogs (zu Deutsch etwa “Hunde erschießen”) ist ein britisch-deutscher Spielfilm aus dem Jahre 2005. Er beschreibt die ersten Tage des Völkermordes in Kigali, Ruanda, beginnend mit dem 7. April 1994, und damit einhergehend das Versagen der UNAMIR-Mission – sowie die unrühmliche Rolle des UN-Sicherheitsrates.

Laut dem RettetDarfur.de Blog ist der Film empfehlenswert:

Der Praezedenzfall fuer das Versagen der internationalen Gemeinschaft gegen einen Genozid war Rwanda. Die Interahamwe machten ebensowenig wie die Janjaweed ein Geheimnis aus ihren moerderischen Absichten. Das ruft uns der Film Shooting Dogs in Erinnerung:

[…]

Shooting Dogs kommt Donnerstag, den 17. Mai 2007, in die Kinos. Um eine Ahnung zu bekommen wohin Untätigkeit führt empfehlen wir, diesen Film zu sehen.

Aus Anlass der Filmpremiere verteilt die Grüne Jugend vor den Kinos einen Flyer, der hier in Gänze wiedergegeben werden soll, da er die zentralen Probleme klar und unmissverständlich zum Ausdruck bringt:

Nie wieder Ruanda! Nie wieder Darfur?

Die GRÜNE JUGEND fordert ein Ende der Gewalt in Darfur. Die internationale Gemeinschaft muss ihrer Verantwortung zum Schutz der Zivilbevölkerung endlich gerecht werden.

Die humanitäre Katastrophe in der westsudanesischen Provinz Darfur hat sich dramatisch verschlimmert. Mittlerweile sind bereits über 400.000 Menschen direkt oder an den Folgen des Konfliktes gestorben, mehr als 2,5 Millonen sind auf der Flucht. Massenvergewaltigungen und Massaker prägen den grausamen Alltag im Westen Sudans. Viele internationale Hilfsorganisationen haben keinen Zugang mehr zu großen Gebieten, in denen ihre Hilfe dringend benötigt wird.


Fehlende öffentliche Aufmerksamkeit

Obwohl über das Thema Darfur in den letzten Monaten vermehrt in den Medien berichtet wurde, kann nicht davon die Rede sein, dass hier öffentlicher Druck aufgebaut wird. Zum dritten Global Day For Darfur Ende April gab es in Deutschland fast keinerlei Veranstaltungen. Von den Jugendorganisationen der SPD, CDU, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie den Fraktionen im Bundestag gibt es bereits Initiativen zu Darfur. Allerdings sind diese von der Bundesregierung aber immer noch nicht in politische Taten umgesetzt worden.

Ein weiteres Ruanda verhindern

Der Genozid in Ruanda gilt mit als größtes Versagen der internationalen Gemeinschaft seit dem zweiten Weltkrieg, trotzdem scheint niemand seine Lehren daraus gezogen zu haben. Dabei gibt es unter anderem durch die deutsche G8- und EU-Ratspräsidentschaft genügend Gelegenheiten für die deutsche Bundesregierung die Initiative zu ergreifen und zumindest auf europäischer Ebene für Sanktionen und stärkeres diplomatisches Vorgehen gegenüber der sudanesischen Regierung zu sorgen.

Den politischen Druck weiter erhöhen

Wir sind gegen eine “Genozid Olympiade” 2008 in Peking, angesichts der Tatsache, dass China den schleichenden Völkermord im Sudan toleriert. Des Weiteren muss der Druck auf den Sudan die UN-Truppen ins Land zu lassen hoch gehalten werden. Erste Zugeständnisse dürfen kein Anlass zum Nachlassen geben.

5 Reaktionen zu “Shooting Dogs und die Grüne Jugend”

  1. fmj

    Mir scheint eher dass die UNO Teil des Problems ist, und nicht dessen Lösung. Immerhin waren ja UNO Truppen auch in Bosnien stationiert und zwar gar nicht so wenige. An die zweihundert Tote haben IFOR und SFOR auch zu verzeichnen gehabt. Der UNO-Führung war das herzlich egal, wenn ich mich recht erinnere. Der damalige UN-Sonderbeauftragte Akashi hat sich im Wesentlichen damit beschäftigt, mit Völkermördern Smalltalk zu führen, die Opfer hinzuhalten und das Ganze “verhandeln” zu nennen.
    Was anderes passiert in Darfur auch nicht. Sehen sie sich doch nur mal an, welche Regierungen in der UNO drinsitzen.

  2. fmj

    PS:
    Weil ich mir heute nochmal den Flyer der “Grünen Jugend” angesehen habe: Wenn diese mit der Internationalen Gemeischaft rechnet und als einzige ausdrückliche Maßnahme solche gegen die Olympischen Spiele 2008(!) im Auge haben, sollten sie die Sache besser gleich vergessen. Das ist harmloser Aktionismus der keinem weh tun will.
    In der Vergangenheit waren in derartigen Fällen nur direkte militärische Interventionen Erfolgreich, und das nur, wenn sie ein Staat (Bosnien, Kosovo) praktisch im Alleingang begonnen hat, weil dort irgendwo ein Kragen geplatzt ist.
    Drum, grüne Jugend, rein in die Fremdenlegion, Melden zum Auslandseinsatz bei der Bundeswehr, das bringt vielleicht einmal etwas nach 2008.

  3. Tobias Blanken

    Dies sehe ich anders. Natürlich hast du Recht, wenn du auf das Versagen der UN in der Vergangenheit hinweist.

    Vermutlich - ich befürchte es - wird sich die Vergangenheit in Darfur wiederholen. Soweit sind wir auf einer Linie. Aber:

    Ich möchte die UN nicht aus ihrer Pflicht entlassen. Sie ist völkerrechtlich zum Eingreifen verpflichtet, und dieser Pflicht hat sie nachzukommen. Nur weil sie in der Vergangenheit versagt hat kann sie sich nicht klammheimlich auch in Darfur davonschleichen. Es ist ihr Job - und man kann sie daher nicht oft genug darauf hinweisen, dass es ihr Job ist - selbst wenn man die Lage realistisch - d.h. pessimistisch - einschätzt.

    Und die grüne Jugend möchte ich nur ungern an die Front schicken, da sie hier im Vergleich zu anderen Jugendorganisationen definitiv am meisten zu Darfur macht.

  4. fmj

    Daß es außer der Grünen Jugend kaum Initiativen zu Darfur gibt, ist in der Tat traurig.

    Beim “In die Pflicht nehmen der UNO” bin ich allerdings anderer Meinung.
    Die kann man nämlich nicht in die Pflicht nehmen, weil sie sich zu nichts verpflichtet fühlt!
    Die paar Länder mit “westlichen” Vorstellungen von Menschenrechten sind dort in der Minderheit. Die UNO ist der Club der (vielfach wenig zimperlichen) Diktatoren, außerdem durch und durch korrupt und unfähig.
    Ich will ja nicht mit alten Geschichten langweilen, aber denken Sie an den “Öl für Nahrungsmittel” Skandal, das UNMIK Debakel, die UN-Sexsklaven im Kongo, die Geschichten von “Toyota Taliban” und “Mission Junkies” aus der Presse, die Tätigkeiten der UNO nach dem Tsunami, von den Völkermorden am Balkan und in Ruanda mal ganz abgesehen, und vor allem daran, daß diese Geschichten nie wirklich aufgearbeitet wurden! In Darfur gab es ja auch schon diese seltsame Kommission, die festgestellt hat, daß dort kein Vökermord stattfindet.
    Wenn man sich von den Ratschlüssen dieser Leute abhängig machen will, wird das meiner Ansicht nach wohl nichts werden.

  5. fmj

    Na da ist es ja wieder!
    Kommt einem das nicht schon bekannt vor?

    N24 vom 29.05.2007

    http://www.n24.de/politik/article.php?articleId=120948&teaserId=123344

Einen Kommentar schreiben