Es muss sein

…aus aktuell bleibendem Anlass: Darfur für Dummies.

Die VR China führt den Sozialismus Kapitalismus ein, auch im Sudan. Sweatshops und Fabriken in Shenzen, Hongkong und Peking brauchen Energie, um die Welt mit preiswerten Turnschuhen und Notebooks zu versorgen, sudanesische Ölquellen liefern Treib- und Schmierstoffe dazu - letztere dienen den Lagern chinesischer Maschinen ebenso wie den Verwaltern afrikanischer Korruptokratien. Soweit, so gut - aber der Bürgerkrieg in Darfur stört den Geschäftsgang, die dortigen Ölquellen und Pipelines sind in Gefahr. Die Gründe sind komplex: Nomaden, Bauern, Dörfler, Städter und mal mehr, mal weniger arabisierte oder islamisierte Bevölkerungsgruppen schlugen sich schon immer um die knappen Ressourcen Wasser und Weideland.

Die islamistische Junta in Khartoum hat sich für die Durchschlagung des Gordischen Knotens entschieden - der stete Devisenfluss aus Peking darf nicht versiegen, denn auch im Süden müssen Rebellen niedergehalten werden, und das kostet: wer nicht Freund der Zentralregierung ist, wird zum Feind - verbrannte Erde ist die Methode, Massenmord, Vergewaltigung und Vertreibung durch Janjaweed, gestützt durch Luftwaffe und Logistik der Armee, sind die Mittel der Wahl. Der Rest der Welt hält Nabelschau, Ruanda war keine Lehre.

  1. Die islamische Welt sieht sich zu Solidarität verpflichtet: Im Zweifelsfall ist man selbst reaktionär und islamistisch - oder wenigstens korrupt und ohne demokratische Legitimation; Islamisten hat man zu fürchten, auf sie ist Rücksicht zu nehmen.
  2. Die westliche gemäßigte Linke hat die üblichen Beisshemmungen gegenüber revolutionär auftretenden Bewegungen der dritten Welt, seien sie noch so reaktionär und gewalttätig.
  3. Die extreme Linke schließt sich der Position der islamische Welt an, denn sie sieht in ihr den entscheidenden Partner zum Sturz der bürgerlichen Gesellschaft. Je nach Grad der ideologischen Perversion sieht man das Bündnis taktisch oder strategisch - einige entdecken sogar Schnittmengen zwischen Sozialismus und Islam, und im Gegensatz zu Lafo meinen sie es Ernst. Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Völkergemeinschaft ist die Umma das Ersatzobjekt völkischer Projektionen - die NPD kann sich auch hier einfühlen, und muss sich dazu beileibe nicht verrenken. Die Zärtlichkeit der Völker war gestern, die Solidarität mit den Verdammten dieser Erde auch, denn mit dem -wie’s scheint, siegreichen- Westen hat man eine Rechnung offen, und bei deren Begleichung sind Gefühlsduseleien fehl am Platz - der Dialektiker ist das Hakenschlagen ohnehin gewohnt: der Konflikt ist für ihn inszeniert, das bisschen Unfrieden hat gut nativistisch ohne imperial interventions, sprich internationale Beteiligung gelöst zu werden. Publiziert wird übrigens auch mal in der FR, gelehrt wird an der Columbia - die Intelligenzija der bürgerlichen Gesellschaft und andere gute Menschen kennen kaum Berührungsängste, deswegen verdient dies Spektrum überhaupt Erwähnung.
  4. Washington mag die Jungs in Khartoum zwar auch nicht und tut noch am meisten, weiß aber gelegentliche Tips des gut informierten sudanesischen Geheimdienst zu schätzen; im dauernden Machtkampf islamistischer Regimes bildet sich stets ein Reservoir lästiger Talibane, welche die Junta gerne los wird, um die nützlichen zu schützen. Condi und Co. halten sich also zurück, haben ohnehin anderes zu tun und beschränken sich auf Verbalradikalismus.
  5. Die VR China beteiligte sich erst spät beim Kampf ums Öl, und kennt deswegen in der Schlacht um einen Platz in der Sonne kein Pardon - Vetorecht bzw. Sitz in Sicherheits- und Menschenrechtsrat der UN machen es möglich.
  6. Das restliche Publikum goutiert Sneakers, Textilien, Monitore und PCs - made in China und zu erschwinglichen Preisen, die Gestehungskosten Blut und Schweiß werden auf der Rechnung nicht ausgewiesen. Das Coltan unserer Handys ist ja auch nicht ganz sauber: es gilt also leben und leben lassen, dem Newcomer eine Chance.

0:6 für Darfur, von Kongo und Mugabe ganz zu schweigen.

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